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Lernsituation:

Elektroinstallation einer Doppelgarage als Hobbyraum

    
Die von uns Kollegen am Robert-Bosch-Berufskolleg Duisburg-Nord ausgestaltete Lernsituation entstammt ursprünglich

dem Arbeitsvorschlag einer Arbeitsgruppe zum Lernfeld 2 der neugeordneten Elektroniker-Berufe, die beim Staatsinstitut  für Schulqualität und Bildungsforschung in München, Abteilung Berufliche Schulen, angegliedert ist.  

Unterlagen siehe >

Der nachfolgenden Seiten sollen mein Bemühen darstellen, wie ich versucht habe, dazu integrativ anwendungsbezogen die Kostenrechnung entsprechend dem Lernfeldkonzept zu vermitteln. Die Kostenarten wurden gegliedert dargestellt nach der Verbrauchsart (Materialkosten, Personal(zusatz)kosten, (Eigen- und Fremd-)Kapitalkosten, Fremdleistungskosten, nach der Zurechnung zum Kostenträger (hier konkret der Kundenauftrag der Garagenelektroinstallation) in Einzel- und Gemeinkosten oder nach ihrer Abhängigkeit von Beschäftigungsveränderungen (in fixe und variable Kosten). Ich darf   
bezüglich der inhaltlichen Darstellung der Kostenarten auf die Lernsituation unter Button Nummer
mich hier nicht zu wiederholen.
verweisen, um

Ziel war es u.a., bei den Jugendlichen, die gerade erst ihr Berufsleben begonnen haben, ein Kostenbewusstsein zu ver- ankern, ihnen darzustellen, welche - auch betriebswirtschaftlichen - Folgen nicht oder falsch durchgeführte Arbeits- bzw. Produktionsplanung haben kann. (Bei einigen Gruppen war die Adernzahl der elektrischen Leitungen im Beleuchtungs- stromkreis falsch ausgelegt, weil ein Stromlaufplan als Voraussetzung für den Installationsplan gar nicht angefertigt wurde. Man stelle sich vor, der Fliesenleger hat die Fliesen schon im Bad verlegt und bei der erst danach erfolgenden Verdrah-
tung der Schalter und Dosen stellt sich der Fehler heraus ...  . Ferner ärgern sich immer wieder Kunden, wenn überflüssige Fahrten zum Betriesgelände wegen fehlendem oder "vergessenem" Werkzeugs oder Materials die Preisvorgaben des Kostenvoranschlags sprengen ...  .)
Auch wurde ihnen dargestellt, wie sehr die relativ hohen sogenannten Personalzusatzkosten den Stundenverrechnungs-
satz mit hinzuzurechnenden weiteren fast 80 % zum an den Mitarbeiter ausbezahlten Bruttostundenlohn mitbestimmen (Tariflohn für einen Gesellen etwa 12,- Euro brutto, Stundenverrechnungssatz, den der Kunde für ihn pro Stunde bezahlen muss,  jedoch 39,88 Euro + Mehrwertsteuer!).
Des weiteren  konnten die Gewinnerwartungen im Handwerk zurechtgerückt werden, wenn hier als kalkulatorischer Gewinnzuschlag lediglich 3,8 % beaufschlagt und dazu Vergleiche zu Verzinsungen bei sichereren Geldanlagen wie Bundesschatzbriefen oder Tagesgeldkonten angestellt wurden. Der Begriff Unternehmerwagnis bzw. -risiko hat (nicht
nur) im Handwerk heutzutage seine Berechtigung ...

Die konkrete Lernsituation (s.o.) wurde themengleich an sich selbst konstituierende Arbeitsgruppen als Elektroinstalla-
tionsauftrag vergeben.
Alle Gruppen - von zwei Elektronikerklassen für Betriebs- und eine für Automatisierungstechnik - erhielten die gleichen Arbeitsaufträge, nämlich erst einmal unter Aushändigung des sogenannten Pflichtenheftes bzw. des Anschreibens des Kunden Herrn Xaver Schulze in Verbindung mit der Bauzeichnung der Doppelgarage einen elektrotechnischen Fachent-
wurf zu entwickeln, in dem die unterrichtlich vermittelten Fachkenntnisse des Lernfeldes 2 zur Anwendung kommen sollten.
Zeitweise schon parallel dazu wurden im Fach Wirtschafts- und Betriebslehre die Grundlagen der Kostenrechnung im Unterricht dargestellt und im Anschluss daran - nach Fertigstellung des Installationsplanes der Doppelgarage - die Kos-

tenkalkulation jeweils zu dem individuellen Entwurf durch jede einzelne Arbeitsgruppe durchgeführt.
                                                                                           (So war es angedacht; zur Nachbetrachtung siehe >.)
Dazu erhielten alle Arbeitsgruppen einheitlich einen sie leitenden Arbeitsauftrag mit den betriebswirtschaftlichen Kalkula-
tionsvorgaben, ferner eine vorselektierte Materialliste mit Herstellereinkaufpreisen (nur ein relativ aktueller Großhandels-
katalog war vorhanden!) und eine vorselektierte Liste über die zeitlichen Arbeitsumfänge der handwerklichen Arbeitsleis- tungen (nur ein aktueller ZVdE-Katalog dazu war vorhanden!), jeweils nur mit Bezug auf die Elektroinstallation dieser Dop- pelgarage. Diese von mir notgedrungen vorgenommene Verfälschung der Realität hatte aber den Vorteil einer besseren Zeitsteuerung der Gruppenarbeit, denn die Unterstufe hat noch vielfältige wirtschaftliche Lehrinhalte ...

Gemeinsame themengleiche Auftrags- und Arbeitsmaterialien der Gruppen:
    

      Pflichtenheft - Lastenheft
  als allgemeine Grundlagen eines Kundenauftrags:
    
  Allgemeines zum Kostenvoranschlagsrecht:
  Allgemeine Berechnungsgrundlage für die
  Warenkostenkalkulation:

  Anschreiben des Kunden zur Beauftragung
  der Erstellung eines Kostenvoranschlages:

word 2000

  Grundrisszeichnung (Bauzeichnung) als Grundlage
  zur Erstellung des Kostenvoranschlages:      

  Geschäftsbriefformular der Firma Wetzel KG (blanko):

word 2000

         
  Angefügt sind zwei Gruppenergebnisse, die sich nach kleineren Korrekturen lohnen dargestellt zu werden. Die Installa-
  tionsplanzeichnungen wurden also im Kern so belassen, aber jeweils der Stromlaufplan des Beleuchtungsstromkreises
  hinzugefügt. Ihnen habe ich den Lehrerentwurf nur vergleichend gegenüber gestellt.
     

 

         Gruppenentwurf 1
  von: Aziz Akdas, Andre Dziubek, 
         Cetin Ider, Serkan Kocaman

 

       Gruppenentwurf 2
von: Maximilian Albers, Eugen Benner, Gaspare Benvissuto, Stefan Gealings

  Gruppenentwurf 3
Lehrerentwurf
   
 
 Arbeitsauftrag  Arbeitsauftrag  Arbeitsauftrag
 Übersichtsplan der Stromkreise
 in der Doppelgarage
 Übersichtsplan der Stromkreise
 in der Doppelgarage
 Übersichtsplan der Stromkreise
 in der Doppelgarage
 elektrotechnischer Installations-
 planentwurf      > ohne AP-Rohre
 
             > mit AP-Rohren

 elektrotechnischer Installations-
 planentwurf          > ohne AP-Rohre
 
               > mit AP-Rohren

 elektrotechnischer Installations-
 planentwurf      > ohne AP-Rohre
 
             > mit AP-Rohren

 Stromlaufplan des
 Beleuchtungsstromkreises
 Stromlaufplan des
 Beleuchtungsstromkreises
 Stromlaufplan des
 Beleuchtungsstromkreises

 Materialliste mit Großhandels-
 einkaufspreisen (LEK's)

 und kalkulierten (errechneten)
 Verkaufspreisen (EVP's)


 Materialliste mit Großhandels-
 einkaufspreisen (LEK's)
 und kalkulierten (errechneten)
 Verkaufspreisen (EVP's)

 Materialliste mit Großhandels-
 einkaufspreisen (LEK's)
 und kalkulierten (errechneten)
 Verkaufspreisen (EVP's)

 Kalkulation des Arbeitszeitumfangs
 >Strukturiertes (leeres) Arbeitsblatt
 >kalkulierter (errechneter) Arbeits-
   umfang mit Werkstattwagenbedarf


 Kalkulation des Arbeitszeitumfangs
 >Strukturiertes (leeres) Arbeitsblatt
 >kalkulierter (errechneter) Arbeits-
   umfang mit Werkstattwagenbedarf

 Kalkulation des Arbeitszeitumfangs
 >Strukturiertes (leeres) Arbeitsblatt
 >kalkulierter (errechneter) Arbeits-
   umfang mit Werkstattwagenbedarf

 Berechnung der elektrischen
 Leitungslängen, der PVC-Rohre mit
 den erforderlichen Klemmschellen
 Berechnung der elektrischen
 Leitungslängen, der PVC-Rohre mit
 den erforderlichen Klemmschellen
 Berechnung der elektrischen
 Leitungslängen, der PVC-Rohre mit
 den erforderlichen Klemmschellen
 Angebotsschreiben an den Kunden  Angebotsschreiben an den Kunden  Angebotsschreiben an den Kunden

Ergebnisvergleich und Schlussfolgerungen:

Beim Vergleich der drei vorgestellten Kostenvoranschläge (KVA) fällt die geringe Spannweite der Angebotspreise ins Auge. Der Unterschiedbetrag zwischen dem teuersten und günstigsten Angebot liegt gerade mal bei rund 50,- Euro.
Bei bewusst gleich angesetzten Kalkulationsgrundlagen - alle KVA-Berechnungen beruhten auf den gleichen vorgege- benen Kalkulationswerten - kann also dieser Unterschied der kalkulierten Kosten nur im gruppenspezifischen elektro- technischen Fachentwurf (Installationsplan der Doppelgarage) begründet liegen.
Die Anordnung der Steckdosen und Wechselschalter, die Anzahl und Anordnung der Verzweigungsdosen im Raum, die in der Folge auch die Aderzahl und Länge der elektrischen Leitungen beeinflussen, bestimmen vorrangig die Kosten der Elektroinstallation der Doppelgarage.
Wenn also die Spannweite zwischen günstigsten und teuersten KVA so gering ist, werden wohl noch zusätzliche andere Faktoren die Auftragserteilung des Kunden mit beeinflussen.

Der Inhalt der Kundenberatung bei der Ortsbegehung bzw. in der Firma, die Art der Gesprächsführung beim Kundenbe-

ratungsgespräch (siehe auch dazu Button ) und die Qualität und Vollständigkeit des unterbreiteten Angebots an den
Kunden scheinen letztlich die Auftragserteilung positiv zu beeinflussen. Der Kunde wird dann möglicherweise dem etwas teureren Angebot den Zuschlag erteilen.
Hier wurde den Schülern klar vor Augen gehalten, was tägliches Geschäft eines Handwerksbetriebes ist, evtl. über einen bestimmten Zeitraum festzustellen, zu wenige erstellte KVA erhalten den Zuschlag, und man über Korrekturen nachzuden- ken hat. So sind  u.a. die Kalkulationsgrundlagen zu hinterfragen (Reduzierung der zu hohen Fixkosten, die den Hand- lungskostenzuschlag hochtreiben) oder der Bereich der Personalschulung (Beratungsgesprächsqualität) ist zu innovieren. 
Letztlich sind es ihre Arbeitsplätze, die sie sich selbst u.a. durch betriebswirtschaftliches und ganzheitliches (Mit-)Denken bei betrieblichen Aufgabenstellungen erhalten bzw. sicherer machen können ...
    

Mit kollegialen und freundlichen Grüßen
Ihr/Euer
Herr Wetzel

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